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Samstag, 13. November 2010

Volkstrauertag und die Vision des Friedens

Nach dem Ersten Weltkrieg war das Entsetzen groß über die endlosen Soldatenfriedhöfe und die Trauer über die mehr als 10 Millionen Kriegstoten war tief und echt. Schon damals regte der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ deshalb einen nationalen Trauertag an. Doch trotz aller Trauer ergab sich das Deutsche Volk nur 20 Jahre später dem nationalsozialistischen Irrsinn, der durch Terror und Krieg über 50 Millionen Menschen das Leben kostete. Auch diesmal trauerte Deutschland wieder und schwor sich: „Nie wieder Krieg“. Gegen das Vergessen begehen wir deshalb seit 1952 jedes Jahr am zweiten Sonntag vor der Adventszeit den Volkstrauertag und wir gedenken an diesem Tag der Kriegstoten und der Opfer von Gewaltherrschaft in allen Nationen.

Kein Tag ohne Krieg und kein Tag ohne Opfer von Krieg, Terror- und Gewaltregimen ist seit dem Zweiten Weltkrieg vergangen. Und trotz der klaren Worte unseres Grundgesetzes ist es inzwischen zur Routine geworden, dass die Bundeswehr weit außerhalb von Deutschland im Einsatz ist. Auch dabei sterben Menschen. Über 80 Soldaten hat die Bundeswehr bei solchen Auslandseinsätzen verloren. Weit mehr Menschen sind Opfer solcher Einsätze. Und es hat nicht den Anschein, als wollte jemand daran etwas ändern. Der Volkstrauertag hat durchaus weiterhin seine Berechtigung.

Nach der Lehre der Katholischen Kirche gibt es keinen gerechten Krieg. Mit Fug und Recht kann ich damit Kriege ächten und verdammen. Es würde jedoch nichts bewirken. Alle Kriegsparteien führen wie eh und je ihre scheinbar plausiblen Begründungen für ihr tödliches Handwerk ins Feld. So lange Krieg ist, wird er von keinem Volk auf der Welt grundsätzlich in Frage gestellt. Erst danach ist Trauer erlaubt und es darf der Wunsch geäußert werden, solchen Unsinn zukünftig nicht zu wiederholen. Nach einiger Zeit beginnt der Kreislauf aber wieder von vorn. Auch dafür sollten wir einen Trauertag einführen; für unsere Unfähigkeit, aus Leid und Trauer nachhaltig etwas zu lernen.

Dürfen wir keine Hoffnung auf Frieden haben? Ich glaube doch. In meinem Glauben, in meiner Religion gibt es diesen Funken Hoffnung. Und nicht nur im Christentum, in allen Religionen ist die Sehnsucht nach Frieden lebendig. Ja gerade die Annahme, dass es eine Wirklichkeit gibt, die größer ist als unsere Wirklichkeit, die unserem Dasein Sinn und Ziel geben will, ist der rettende Strohhalm. Allein aus unserer menschlichen Kraft heraus scheinen wir nicht in der Lage zu sein, dauerhaft Frieden in die Welt zu bringen. Wir brauchen eine Utopie, eine Vision, die über uns selber hinausweist, die unseren Glauben an uns selber und an unseren Wert immer neu bestärkt. Diese Vision ist uralt. Der Prophet Micha brachte sie vor über 2700 Jahren mit folgenden Worten zum Ausdruck: „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Kein Volk wird gegen das andere das Schwert erheben, und sie werden fortan nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ Dann wird unsere Trauer verwandelt in Freude.

Wolfram Kaier

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