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Donnerstag, 4. August 2011

Weiße Kreuze erinnern an die Drogentoten

Am 21. Juli Bundesweiter Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige – Öffentliches Gedenken in Schwäbisch Hall – Kritik an unzureichender Drogenhilfe im Landkreis.

Die Drogeninitiative „Raphael“, der Drogenkontaktladen „POINT“ und die Selbsthilfegruppe für Angehörige und Freunde beteiligen sich in Schwäbisch Hall am 21. Juli zusammen mit der Drogenseelsorge am bundesweiten Gedenktag für Drogentote. Auf dem Dietrich-Bonhoeffer-Platz gibt es zwischen 14 und 16 Uhr einen Info-Stand zur Situation der Drogenabhängigen in Schwäbisch Hall. Um 16 Uhr erinnern in einer Trauerfeier weiße Kreuze und brennende Kerzen an die Toten. Der Gedenktag steht unter der Schirmherrschaft von Cem Özdemir, Bündnis 90/Die Grünen.

Am 21. Juli wird seit 1998 bundesweit ein Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige begangen. Wie in über sechzig anderen deutschen Städten, wird auch in Schwäbisch Hall an diesem Tag um verstorbene Drogenabhängige getrauert. Für die Ehrenamtlichen des Drogenkontaktladens POINT und den Drogenseelsorger Wolfram Kaier ist der Tod eines Besuchers jedesmal ein unschätzbarer Verlust. „Wir setzen uns täglich dafür ein, dass die Abhängigen überleben“, sagt der Seelsorger, “und da sind wir traurig und schockiert, wenn einer auf der Strecke bleibt.“ In Baden-Württemberg stieg die registrierte Zahl der Drogentoten im Jahr 2010 gegenüber dem Vorjahr um über 20%, während bundesweit ein Rückgang um 7% festzustellen ist. Für Kaier ein Grund, die angebotenen Hilfen zu verstärken.

In Stadt und Landkreis Schwäbisch Hall kritisiert Kaier, „dass keine weiteren Substitutionsplätze geschaffen wurden, die dringend benötigt werden“. Immer noch müssten Dogenabhängige weite und teure Wege in Kauf nehmen, um außerhalb des Landkreises einen Substitutionsarzt zu finden. Den Engagierten im Drogenkontaktladen POINT macht zunehmend die sich verschlechternde soziale Situation ihrer Besucher zu schaffen. Viele hätten keine feste Wohnung, keine Arbeit, seien krank, sagt Ilona Nagel, langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin im POINT. „Manche können noch nicht einmal ihren Antrag für ihr Arbeitslosengeld stellen. Die haben buchstäblich nur das, was sie auf der Haut tragen“. „Die Folge ist eine steigende Kriminalität und die zunehmende Gefahr, dass die Leute sterben“, ergänzt Kaier, „wir brauchen dringend Sozialarbeit“.

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